Tour 2010

Jan Stefan und Rainer auf Wandersegelflug

Wir sind wieder daheim! Nach 57 Flugstunden, 3700 OLC-Kilometern und mit vielen neuen Erlebnissen, Eindrücken und Bildern. Das müssen wir jetzt erstmal alles ein wenig sortieren, dann folgt hier noch ein ausführlicher Bericht. Bis dann!

Und hier gibt es noch unser Flugbuch der letzten 10 Tage: Flugbuch Wandersegelflug 2010

Gerade kam eine SMS aus der DG1000: “12:00 kursänderung gr arber”. Am Satellitenbild war’s ja fast schon zu befürchten: der Norden scheint blau zu sein. Offenbar im Vergleich zum Bilderbuchwetter hier abschreckend genug, um den Zielrückplan aufzugeben. Es bleibt spannend!

Jaaaa, Wandersegelflug geht anders – wissen wir auch. Nur sitzen wir hier am Feuerstein in großräumig gutem Wetter, den dritten Tag in Folge. Da gibt es wenig Anlass, mit Gewalt irgendwo hinzufliegen, wo es am nächsten Tag genauso saugut geht wie hier. Luxusproblem? Hihi, ein wenig schon.

Die Zielrückfliegerei gefällt uns im Moment. Spannender als Jojos allemal, und auch im Vergleich zum Dreieck ist das Erfolgserlebnis ein anderes, wenn man weit vom Start- und hoffentlich auch Landeplatz wendet. Am Sonntag hat der Zielrück nach Porta Westfalica gleich auf Anhieb geklappt, gestern hatten wir als “mental ausgeschriebene” Wende Klix-Plus, also mindestens bis Klix (ca. bei Kilometer 280) und dann weiter nach Polen. Um 15:30 Uhr waren wir an der 350-km-Linie, bestens in der Zeit also. Warum der Heimflug trotzdem in Kulmbach endete, dazu später mehr.

Heute sind Rainer und Stefan dran und die Wende heißt Neustadt-Glewe. Das wären knapp 800 km Zielrück – ui, das ist aber weit. Zumindest gibt Neustadt die grobe Zielrichtung links am Berliner Luftraum vorbei vor. Alles weitere wie gehabt im SPOT verfolgbar!

Vorgestern (Samstag) sind wir mittags um eins aus Moravska Trebova nach Westen aufgebrochen, in der Hoffnung auf gutes Wetter am Sonntag. Die ersten hundert Kilometer gab es noch durchaus Anlass, mit dieser Entscheidung zu hadern, sah doch das Wetter östlich von Prag zwar etwas übergekocht, aber doch immerhin fliegbar aus. Klare Verhältnisse dann in Tschechiens Westhälfte: dichte Wolken, Regen, hier und da Gewitter. Immerhin, das hat gestimmt. Abends waren wir in Pilsen gut und unglaublich günstig essen. Nun sollte die Front doch allmählich durchgezogen (nach Osten) und durchtunnelt (per Auto nach Westen) sein? Immer heftigerer Regen auf der Stauseite des Oberpfälzer Waldes ließ uns am Sonntag zweifeln. Ist Bayreuth vielleicht zu weit östlich? Eine halbe Stunde mehr Autofahrt könnte uns zum Feuerstein bringen, dem guten Wetter ein vielleicht entscheidendes Stückchen näher. Tatsächlich, kurz vor dem Feuerstein wurden die Straßen trocken.

Dichter Nebel am Sonntag morgen, dazu noch eine Menge tiefer Cumuli, die aber schon die frische, knalllabile und endlich kühlere Luftmasse anzeigten. Weil wir am Samstag so viel gemotort sind, und auch angesichts der TopTherm-Prognose, die nicht wirklich nach Ortswechsel schrie, gab es heute mal eine geschlossene Aufgabe: Zielrück… ja, wohin? In dem Flachland kennen wir doch nix. Stimmt nicht, fast nix, letzten November waren wir doch in Porta Westfalica. Also Zielrück zur Porta? Die einfache Strecke sind 300 km, also 600 insgesamt, TopTask war der Meinung: ja, das geht. Und es ging auch, viel besser als erwartet, in wunderbar zuverlässigem, ganz homogenem Wetter von Franken bis Westfaaaalen. Unser größter Flachlandflug bisher – und noch viel zu lernen!

Gestern sind Rainer und Stefan nach einigem Hauen und Stechen durch Tschechiens etwas verschachtelte Luftraumstruktur in Moravska Trebova gelandet, Mährisch Trübau auf deutsch. Heute beginnt hier ein regionaler Segelflugwettbewerb, der Platz wimmelt vor allerlei Standard Cirren, ASW15en und diversen VSO-10, einen Turbo Smelak gibt es auch zum Schleppen. Trotzdem haben wir nach einigem Zögern beschlossen, heute per Auto auf die Rückseite der Front, vermutlich nach Bayreuth, zu verlagern. Die Rückseite sollte, so TopTherm recht hat, echtes Hammerwetter in Deutschland liefern, während wir uns hier im Osten nur noch mehr im Mumpf einkasteln. Allerdings, kurz vor der Abfahrt sitzen wir hier gerade in der Flugplatzgaststätte und anstatt wie geplant überzuentwickeln, macht es eher auf – Schweinerei! Hoffentlich haut unser taktischer Auto-Winkelzug hin… Morgen mehr!

Los geht’s! Die erste SMS bestätigt den erfolgreichen Abflug. Erstmal geht es nach Südwesten, alles weitere im SPOT!

Gleich lassen wir unsere beiden Piloten (siehe Bild links) los! Das Wetter sieht sehr gut aus.

Klix haben wir gestern nicht mehr ganz erreicht, von unserer schönen Außenlandewiese aus war es aber ein Katzensprung per Hänger bis zu dem riesigen Grasplatz des Aeroteam Klix. Perfekte Infrastruktur und eine wunderbar entspannte Atmosphäre, da war es gar nicht so schlimm, daß wir nach drei schönen Flugtagen heute den ersten Ruhetag einlegen mussten. Die Front rückte nämlich erst heute morgen ganz langsam an; um von ihrer Rückseite zu profitieren, saßen wir nicht weit genug westlich.

Aber auch solche Tage halten ihre schönen Überraschungen parat, diesmal eine aus der bekanntlich kleinen Segelfliegerwelt: Ingo mit seiner ASW 17 hatten wir hier ja erwartet, daß uns morgens um acht aber die Unterwössener Familienmitglieder Merve und Ulli begrüßten, damit hatten wir nicht gerechnet. Die beiden sind mit ihrem Duo ‘CJ’ für eine Woche in Klix und gestern hatten wir Merve auf Bremen Information auch schon gehört, ohne jedoch das Kennzeichen zu erkennen.

Klar, daß wir das Rumgammel- und Kulturprogramm gemeinsam gestalteten. Also Rumgammeln, danach Kultur in Form der fast ein wenig zu adrett restaurierten, schönen Altstadt von Bautzen. Sehenswert besonders der Dom in schöner, unprätentiöser Spätgotik mit einigen baulichen Kuriositäten, bemerkenswerterweise seit Jahrhunderten von beiden Konfessionen simultan genutzt. Geht doch.

Für morgen sieht das Wetter gar nicht so schlecht aus, vorausgesetzt, der Rest-Mumpf hinter der Front bremst uns hier nicht ein. Derzeit wird auf der Klixer Terasse noch über den besten Plan diskutiert. Direkt nach Nitra, um am Samstag im besten Wetter zu starten? Oder doch lieber entlang der deutsch-tschechischen Grenze zum Thüringer Wald und dann nach Südost den Bayerischen Wald entlang, um morgen Kilometer zu machen? Rainer und Stefan sind morgen dran, wie gehabt im SPOT verfolgbar!

Heute gibt es eine kleine Bildergeschichte zum gestrigen Tag, den Flug gibt es hier.

Wow, was für ein Tag! Mäßiges Wetter beim Abflug von der Wasserkuppe:

Von wegen, keine Berge! Hier der berühmte Monte Kali:

Viel Restfeuchtigkeit machte den Abflug zu einem etwas kniffligen Schachspiel gegen Schattenfelder und Schauer. Den Harz mussten wir schließlich in ziemlich toter Luft queren, in der es schon geregnet hatte. Der Anschluß ans gute Wetter nördlich davon war nochmal spannend:

Dann lief es aber! Die Luftmasse im Norden war selbst nach 18 Uhr noch die beste dieses Fluges. Die Volkswagen AG schickt uns auch einen GTI-Qualitätsbart:

Die letzte Blubberthermik trägt uns zum wohlverdienten Feierabend nach Neustadt-Glewe: